Tanja Kokoska: Guten Morgen, schönes Wetter heute
Klappentext:
Dieses Buch lässt Sie wieder an das Gute im Menschen glauben
Diesmal ist es etwas anderes. Darauf hofft Ina jedes Mal, wenn sie sich verliebt. Doch es geht immer schief. Sie arbeitet in einem Tattoo-Studio und wohnt mit ihrem Sohn Henry in der Siedlung »Am Kastanienbaum«, irgendwo mitten in einer großen Stadt. Dort gibt es noch mehr Menschen wie Ina, 1.583 genauer gesagt.
Ein anrührender Roman über das Alleinsein – und wie nah das Miteinander doch ist
Sie leben nah beisammen und bleiben doch allein. Da ist Herr Bello, der am liebsten im Faltenrock tanzt. Samy, der davon träumt, eine Ente zu streicheln. Und Frau Arslan, die Gedichte in Pralinenschachteln versteckt. Sie alle eint die Sehnsucht nach Glück und Verbundenheit.
»Wenn Sie dieses Buch beendet haben, wird Ihre Welt eine bessere sein. Ich verspreche es!« Florian Valerius @literarischernerd
Eines Tages macht Baggerfahrer Paco eine schicksalhafte Entdeckung: Eine Weltkriegsbombe liegt unter der Erde. Darauf geschieht in der Siedlung etwas Wundersames. Die Menschen kommen einander näher, als es möglich schien. Und Ina begegnet dem Mann, mit dem es etwas anderes ist.
Ein Gesellschaftsroman voller Wärme und zartem Humor über Freundschaft, Familie und Nachbarschaft
>Guten Morgen< gesagt. Und damit hätte er an diesem Tag viel früher als sonst gesprochen. Es wäre eine flüchtige Begegnung gewesen, nichts Außergewöhnliches, nur ein kleiner Moment, der das Alleinsein überdeckt hätte.«
An diesem Cover kommt man nicht vorbei! Die bunten Farben lassen erst auf dem zweiten Blick erkennen, dass sich dahinter Wohnungen in einem großen Hochhaus verbergen und könnte suggerieren, dass es sich hier um Eitel Sonnenschein handelt?
Der Roman beginnt einer sehr kurzen Beschreibung der Siedlung, mit der Hauptfigur Ina, die sich auf den Weg zum Zahnarzt macht und dem Gedanken, „wäre Ina nur fünf Minuten eher aus dem Haus gekommen…..“ Nein, es folgt keine schlimme Szene à la, „Was wäre, wenn“, sondern die Beschreibung, wie Ina einige andere Bewohner der Siedlung Am Kastanienbaum, die 1.583 Menschen umfasst, hätte wahrnehmen können. Ein guter Einstieg, um die wichtigsten Akteure vorzustellen und das gemeinsame Thema des Alleinseins. Frau Kaiser, die vergesslich wird, Herr Bello, der gerne Frauenkleider trägt. Daneben gibt es Frau Aslan, die gerne Gedichte in Verpackungen in Produkte ihres Lebensmittelgeschäfts legt oder Sammy aus Sri Lanka, der eine Gaststätte betreibt und noch Wünsche hat. Ina ist alleinerziehende Mutter eines 17-jährigen Sohnes, die die Wohnung ihrer Eltern ausräumen muss und am Existenzminimum lebt. Der Vater ihres Sohnes ist ihr nicht bekannt.
Nicht zu vergessen, der Baggerfahrer Paco, der eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg entdeckt. Als Folge dessen muss die Siedlung evakuiert werden und die Bewohner kommen sich näher.
Auch die Ausbeutung junger, illegaler Asiatinnen in einem Nagelstudio findet den Weg in die Geschichte.
Dies ist die Ausgangssituation, die die Grundlage für diesen Roman bildet.
Auf 348 Seiten erzählt Tanja Kokoska in ihrem Debütroman sehr feinfühlig über die Menschen in der Siedlung. Mit detailliertem Blick beschreibt sie diese so, dass sie mir ans Herz wuchsen. Dabei wertet sie nicht. Ihre Träume, Wünsche, Verlust, Einsamkeit finden Eingang und werden durch detaillierte Betrachtungen miteinander verwoben.
Schnell wird man mit den Protagonisten warm und möchte immer mehr über sie lesen.
Kleinigkeiten und Zufälle sind die Basis für diese feinsinnige Erzählung. Eine Erzählung, die man unendlich lange lesen möchte und die zum Sommer passt.Durch die Evakuierung miteinander verbunden, ergibt sich aus dem Alleine sein ein Zusammenhalt und das Miteinander verändert sich zum Positiven. Doch nicht nur das, sondern auch die eigene Entwicklung ändert sich.Die Botschaft genauer hinzuschauen, zu akzeptieren, zu tolerieren webt sich wie ein roter Faden durch den Roman.
Darf ein Happy End fehlen? Falls nein, wie und für wen gestaltet es sich? Für Alle?
Der Roman wird sicherlich nicht für die Shortlist zum Deutschen Buchpreis nominiert werden. Doch auf der Shortlist meiner Feel Good Romane in 2026 steht „Guten Morgen, schönes Wetter heute“ unbestritten.
Kolumne: Ich bin nicht schwarz und weiß – ich bin bunt
Irgendwo in den Untiefen des www fand ich ein Interview mit Elton John, in dem er sagt: „Ich bin nicht schwarz und weiß, ich bin bunt.“
Was bin ich?
Ausgewaschenes rosa?
Durchsichtig?
Farblich verdrecktem Plastik ähnelnd?
Nach dem ersten morgendlichen Kaffee eine Wiener Melange?
Grauer Asphalt mit Rissen und Löchern, wie ein Gehweg über den seit den 50er Jahren täglich, stündlich, minütlich Menschenmassen flanieren?
Rot? Weinrot? Strahlend rot?
Schwarz in den düsteren Momenten voller Selbstzweifel?
Blau, wenn die Lipödeme ungewollt Flecken produzieren?
Grelle, goldfarbene Lichtblitze, wenn die Schmerzen sich den Weg durch den Körper bahnen?
Dominieren meine Synapsen meine farbliche Wahrnehmung? Oder gar mein Gehirn als Gesamtpaket? Vielleicht meine Seele?
Ich bin ein Kaleidoskop an Farben. Manch einer sieht eine Farbe im Vordergrund, manch einer viel mehr.
Kolumne: Rituale aus der Kindheit
Immer wieder führe ich Gespräche mit Freunden und Bekannten, in denen wir uns an unsere Kindheit erinnern. Wir erinnern uns an Dinge, die es heute nicht mehr käuflich zu erwerben gibt und an Dinge, an die wir uns als Kinder selbstverständlich herangewagt haben. Irgendwann sprachen wir auch über Rituale und schnell fiel folgendes auf: Ein jeder lächelte, schaute verträumt und brachte Bezeichnungen wie „Lassie“, „Wetten, dass“, „ZDF-Sommerprogramm“ oder „Nüsse für Aschenbrödel“ ins Spiel.
Ja, wir Erwachsenen aus den 60er Geburtenjahrgängen verbinden Rituale in der Kindheit oft mit Fernsehen. Wer kann sich heute noch vorstellen, dass das Anschauen einer Fernsehsendung ein kleines Familienevent war? Dass es nicht ein Rund-um-die-Uhr Fernsehprogramm gab? Ja, dass es sogar ein Standbild gab oder nur ein Rauschen nach der letzten ausgestrahlten Sendung? Nein, ich bin keine 100 Jahre alt, sondern „erst etwas über“ Jahre.
Mit Freundinnen wurde in der Vorweihnachtszeit „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ geschaut und an Walnüssen geknabbert, während auf das Happy End gewartet wurde. Zu dem Zeitpunkt wurden tschechische Filme von uns geliebt. Sie verfügten über eine Detailtreue, wunderbare Musik und über schöne Kostüme. Sie waren irgendwie anders und dadurch umso schöner.
Auch dieses Jahr werde ich mir den Film anschauen. Eingemummelt auf dem Sofa sitzen, mit einem Becher Tee in der Hand und Strickzeug dazu. Und nichts, so gar nichts, darf mich in dieser Zeit stören. Wie viele Menschen werden sich den Film anschauen, an ihre Kindheit denken, vielleicht einige Dialoge mitsprechen können und trotzdem neue Details im Film erkennen?
Mit der Familie wurde die „Hitparade“ geschaut. Der Ablauf dort war meist gleich: Dieter Thomas Heck sprach schnell und hektisch ins Mikrofon, insbesondere am Ende der Sendung.
Manchmal wurde ich enttäuscht, dass ich Howard Carpendale nicht erneut sehen konnte, da er mit seinem aktuellen Lied bereits dreimal aufgetreten war. Wurde dort nicht mehrmals eine Frau im Publikum angesprochen, die bei jeder Sendung der „Hitparade“ im Publikum war?
Stets schrieb ich die Autogrammadressen mit. Manchmal wurden sie mir von meiner Mutter oder meinem Vater diktiert. Ich konnte sei meist nicht so schnell alleine mitscheiben. Mein Büchlein war gefüllt mit Autogrammadressen verschiedenster Künstler. Nicht eines habe ich mir bestellt, doch das Mitschreiben gehörte dazu. Genauso wie die Hebebühne, die die Künstler (meist die auf Nr.1 Platzierten) in die Höhe hob. Nicht zu vergessen die Windmaschine, die einige Male das lange Haar der verschiedensten Sängerinnen durch die Luft wirbelte. Weiterlesen







