Leïla Slimanis: Dann schlaf auch du
Klappentext:
Der Preis des Glücks
Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?
Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen – eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Wie mit unsichtbaren Fäden hält Louise die Familie zusammen, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist sie unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.
Es gibt Bücher, die ziehen einen von der ersten Seite in den Bann. So erging es mir mit „Dann schlaf auch du“ von Leïla Slimanis. Der Klappentext warnte mich ein wenig vor. Nicht alles könnte eitel Sonnenschein sein, wenn man sich die Familie mit den zwei Kindern und der Nanny vorstellt. Dann öffnete ich das Buch, las die ersten drei Seiten, die mit den Sätzen „Das Baby ist tot. Wenige Sekunden haben genügt.“ begannen und hatte den Cliffhänger nicht am Ende eines Buches vorgefunden, sondern im Epilog. Ich erahnte, was mich auf den 224 Seiten erwarten könnte. Ein Buch, eine Geschichte, die nicht für schwache Nerven gedacht ist.
Mit diesen Informationen beginnt das Buch. Schwenkt nach dem Epilog in die Geschichte über die vierköpfige Familie über. Mutter Myriam ist Rechtsanwältin, Vater Paul ist Musiker. Die Mutter ist inzwischen vom Mutterdasein erschöpft, ein wenig frustriert und gelangweilt. Durch Zufall erhält sie die Chance als Rechtsanwältin tätig werden zu können. Vater ist einverstanden und eine Nanny wird gesucht.
Diese wird in Louise gefunden. Eine ältlich gekleidete, kleine, sehr schlanke Frau, die fast zu perfekt scheint. Sich nicht nur als Nanny einbringt sondern sich Stück für Stück im Haushalt, nein im Leben der Kinder und Eltern, unentbehrlich macht.
Mit dem Wissen aus dem Epilog, dass diese besagte Nanny die Kinder ermordet hat, möchte ich nun wissen. Warum? Warum mordete sie?
Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven. In Rückblicken, in denen das Leben der Nanny beschrieben wird, können sich nur Gründe erahnen lassen. In der Gegenwart wird deutlich, dass sie vereinsamt und verarmt lebt. Raffiniert verwebt Leïla Slimanis die Vergangenheit der Nanny mit ihre Gegenwart. In Rückblicken, die vielleicht das Unerklärliche erklären können? Oder auch nicht?
Beschreibt die Familie, die die ausufernde Hilfe von Louise als selbstverständlich nimmt. Gelegentlich die ungesunde Symbiose erkennt, doch den Wunsch nach eigener Selbstverwirklichung über diese stellt.
Ein beklemmendes und aufwühlendes Buch, welches in der Rubrik Thriller veröffentlich wurde und doch vieles mehr ist.
Ich las es in einem Rutsch an Ostern durch. Nicht nur, um die Antwort nach dem Motiv zu finden, warum Louise die Kinder tötete, sondern weil mich der sachlich und distanziert wirkende Text in den Bann zog. Aufgewühlt legte ich es nach dem Lesen zur Seite und mein Gedankenkarussell kam so schnell nicht zur Ruhe.
„Read what I see“: Verschiedene Alltagsbeobachtungen
Häufig beobachten wir die kleinen Momente im Alltag, die wir wahrnehmen und dennoch nicht wahrnehmen. Die Besucher der Stadtbibliothek, die täglich die verschiedenen Tageszeitungen dort lesen. Die betagte Dame, die sich mit ihrem Rollator im Kreise dreht, weil sie etwas in der Handhabung falsch macht und herzhaft über sich lacht. Die vielen verschiedenen Besucher in den Cafés, die ihre Zeit aus den verschiedensten Gründen dort verbringen. Der Nichtschwabe, der versucht tiefstes schwäbisch zu verstehen und dessen Gesicht nur aus einem großen Fragezeichen besteht.
Woran erkenne ich im Schwabenland einen „Ausländer“? Damit ist nicht jemand gemeint, der eine Fremdsprache spricht oder fremd ausschaut. Im Coffee Shop am Stuttgarter Hauptbahnhof outet sich derjenige als Nichtschwabe, der folgendes bestellt: „Eine Brezel mit etwas Butter oben drauf.“ Ich gehe nun nicht auf den starken sächsischen Dialekt ein, sondern auf die Umschreibung des schwäbischen Nationalgutes. Ein Schwabe hätte ganz ordinär „Butterbrezel, bitte“ bestellt.
Gegebenenfalls auch ohne bitte hin zu zufügen.
Ich kann selten durch einen Bahnhof schlendern, ohne dass mir Menschen auffallen.
Am Fahrkartenautomat stand eine ältere Dame, die versuchte einen Fahrschein zu ziehen. Auf eine Art und Weise gekleidet, die ich heute nicht mehr oft sehe. Dunkler, langer Rock, sehr schicke Bluse mit einem Blazer darüber, Halbschuhe mit Absatz. Dazu schneeweiße, ondulierte Haare. Sie fiel mir auf, da sie einen Henkelkorb aus Bast in der Hand trug, der mindestens 50 Jahre alt sein muss. Erwartet hätte ich, dass er mit frischem Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten gefüllt gewesen wäre. Das Bild wäre für mich dann irgendwie komplett gewesen.
Unaufgefordert half ich ihr den passenden Fahrschein zu ziehen, worüber sie sich sehr freute. Ich gestand ihr nicht, dass auch ich mit diesen Fahrscheinautomaten auf Kriegsfuß stehe, wenn ich unter Zeitdruck bin oder im Nahverkehr mehr als 2 Zonen benötige.
Den ganzen Tag sah ich ihr Gesicht vor mir. Sie hatte etwas Feines und verletzliches an sich.
Kaum drehte ich mich um, sah ich ein Ehepaar, welches mir auffiel, weil, ja, weil sie merkwürdiges Schuhwerk trugen. Nicht bunt oder anderweitig auffallend, sondern in einer viel zu kleinen Schuhgröße. Beide schätzte ich auf Mitte 60 ein. Er trug eine Art Sandalen, deren Zehen soweit heraus ragten, dass sie fast den Boden berührten. Der Blick des Betrachters wurde automatisch auf sie gelenkt. Sicherlich auch, weil diese Zehen aussahen, als hätten sie tausende Meilen barfuß Laufens hinter sich gebracht.Bei ihr sah es gemäßigter aus. Die bestrumpften Füße steckten ebenfalls in Sandalen. Wobei nur geschätzte 3-4cm Zehen heraus schauten.
Komisch, was Frau plötzlich wahrnimmt. Vielleicht lag es daran, dass der Blick es Zuschauers förmlich darauf gedrängt wurde?
Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass mir dieses Ehepaar später erneut begegnen würde und die Hauptfiguren zum Thema „Intelligenzvakuumisten“ bilden würden.
Eine Umsteigestation weiter drückten sich mehrere ältere Ehepaare, in der Holzunterführung des Bahnhofes, die Nasen an der eingelassenen Plexiglasscheibe platt. Hinter diese ist eine kleine Sandgrube erkennbar. Irritiert fragen sie sich untereinander: „Wie soll da `mal ein Zug rein passen?“ „ Ach, das geht schon, das ist doch bald ein unterirdischer Bahnhof.“
Aha, ein unterirdischer Bahnhof, der oberirdisch eine kleine Grube zeigt. Diese kleine Sandgrube könnte vielleicht die Märklin Eisenbahn aus dem Keller daheim aufnehmen. Es übersteigt meine Fantasie und meinen Verstand, mir eine Lok der DB mit vielen Waggons in dieser kleinen Grube vorzustellen.
Die drei Pärchen gingen weiter und beharrten in ihren Gesprächen untereinander darauf, dass der neue Bahnhof nun doch nicht so tief ist. Das ganze Theater drum herum sei doch h ein wenig übertrieben.
Irgendwann geht es vom Bahnsteig in den Zug hinein. Die Fahrt beginnt.
Von früheren Klassenfahrten habe ich es in Erinnerung, dass der Proviant ausgepackt wird sobald der Zug los gerollt ist. Früher erlebte man den Geruch von kalten Frikadellen oder hart gekochten Eiern. Die obligatorischen Äpfel und Süßwaren rochen nicht.
Was aber riecht, nein stinkt, sind frisch geschnittene Zwiebeln. Erst wird die BILD Zeitung beiseite gelegt, dann die Aufbewahrungsdose geöffnet. In dem Moment habe ich es verflucht, dass sich die Fenster nicht mehr öffnen lassen. Eine Klimaanlage kann einen solchen Duft erst in vielen, vielen Stunden verarbeiten: Harzer Käse wurde ausgepackt, der mit frisch geschnittenen Zwiebeln in reichlicher Menge in kleinen Happen verzehrt wird. Der Blick dieses „Genießers“ schweifte Beifall heischend in die gesamte Runde. „Seht, so etwas leckeres ich habe, aber ich gebe nichts ab.“
Dieser Moment führte dazu, dass ich einmal den langen Zug bis nach hinten und zurück durch marschierte. Es half nichts. Dieser Geruch war überwältigend mies. Wurde er dadurch noch angereichert, dass er es sich nun gemütlich machte? Schuhe standen unter dem Abteiltisch und die löchrigen Strümpfe boten einen interessanten Anblick.
Als später der Kaffeeservice kam, wurde dieses Geruchswirrwarr sehr speziell. Für sehr lange Zeit flüchtete ich Bordbistro.
Gerne besuche ich die Leseecke in der Stadtbibliothek. Sie bietet einen reichlichen Fundus für Beobachtungen. Oft vermute ich, dass die sehr große Auswahl an Tages- und Wochenzeitungen nur einen Vorwand abgibt. Statt zu lesen, beobachten sich die einzelnen Besucher untereinander. Getränke dürfen nicht verzehrt werden, gesprochen wird kaum, gelegentlich an einem Laptop gearbeitet. Was macht dann den Aufenthalt dort so reizvoll als Nichtleser der Tageszeitungen?
Sehen und gesehen werden, beobachten und beobachtet werden? Und ein wenig lesen?
Die Schirmmütze sehr tief ins Gesicht gezogen, den Rücken tief gebeugt, die Süddeutsche Zeitung weit weg gehalten: Dieser ältere Mann sitzt mehrmals wöchentlich an gleichen Platz. Seinem Stammplatz. Bis weit in den Mittag liest er die Zeitung, auf Abstand gehalten und oft frage ich mich, mag er sich keine Lesebrille gönnen oder kann er sich keine gönnen. Zu gerne möchte ich einmal einen Blick in sein Gesicht erhaschen, doch die Schirmmütze verhindert es. Einmal glaubte ich, sehr buschige, weiße Augenbrauen gesehen zu haben. Oder mehr erahnt zu haben?
Schräg gegenüber sitzt häufig eine Frau in den 70ern. Stets sehr schick angezogen, manchmal mit Hut, manchmal ohne. Die Perlenkette und die Perlenohrringe fehlen nie. Sie liest meist DIE ZEIT oder auch die LANDLUST. Sie nimmt eine Körperhaltung ein, die mich immer an eine Primaballerina erinnert. Im 5- Sekundentakt schiebt sie mit einer automatischen Bewegung ihre Lesebrille von der Nasenspitze hoch Richtung Augen. Nie habe ich erlebt, dass sie andere Besucher betrachtet. Oder sich eine andere Tageszeitung nimmt. Vertieft in ihre Lektüre nimmt sie um sich herum nichts wahr.
Besuche ich die Leseecke will ich ebenfalls nur DIE ZEIT lesen und in anderen Tageszeitungen stöbern. Damit beginne ich, um dann in Betrachtungen zu versinken und mir auszumalen, warum wer so häufig hier ist. Welche Lebensgeschichte könnte ich von der Dame mit den Perlenohrringen erfahren? Wie mag das Gesicht des Mannes mit der Schirmmütze ausschauen?
Die Lösung wäre so einfach: Aufstehen und fragen. Und somit eventuell um einige Illusionen oder Gedankengänge ärmer zu sein?
Seifenblase
Sie hört ein leises Schluchzen. „Kind, so wach doch endlich auf“ und erkennt die Stimme ihrer Mutter. Sehen kann sie sie nicht. Ihre Augen sind geschlossen. Sprechen kann sie ebenfalls nicht. Der Schlauch würde stören.
Sie möchte nicht aufwachen.
Sie befindet sich im Krankenhaus. An einem sicheren Ort.
Zuhause ist kein sicherer Ort mehr. Er ist kein sicherer Mann mehr. Als sie ihn zuletzt sah, kam sie vom Einkaufen zurück. Sie packte gerade die Lebensmittel in den Kühlschrank, als er aus dem Wohnzimmer kam. Irgendetwas schien ihm nicht zu passen. Vieles schien ihm in letzter Zeit nicht zu passen. Er schaute sie an, schrie etwas Unverständliches und schlug ihr ins Gesicht. Instinktiv drehte sie den Kopf weg, doch nicht schnell genug. Er erwischte ihr Auge. Ein kurzer heftiger Schmerz.
Es folgte der nächste Schlag. Sie versuchte Richtung Haustür zu flüchten, doch machte ihn das nur wütender. Sie kannte seine Wut, die daraus entstehende Kraft und auch die Fantasie, ihr auf verschiedene Arten Schmerz zuzufügen. Er rannte ihr hinterher, erwischte sie an ihren langen Haaren, zog ihr Gesicht zu seinem Gesicht und schlug ihren Kopf gegen die Wand. Immer und immer wieder. Sie spürte, wie Blut aus ihrem Ohr heraus lief, hörte knacksende Geräusche, versuchte seinen Händen zu entkommen, ihn zu treten. Dann spürte sie nur noch die kalten Fliesen unter ihrem Rücken. Wenige Minuten später nichts mehr.
Sie hört eine fremde Stimme, die ihrer Mutter erklärt: „Sie müsste langsam aufwachen. Wir mussten sie ins künstliche Koma versetzen, damit sie die Schmerzen durch die Knochenbrüche nicht spürt und damit das Gehirn nach dem Schädel-Hirn-Trauma in einen stabileren Zustand versetzt wird. Wir leiten die Narkose langsam aus.“
Sie will nicht aufwachen. Keine Schmerzen spüren. Sie will von ihm nicht mehr geschlagen werden. Niemand kennt seine Gewalttätigkeit. Anfangs war er sehr darauf bedacht, keine sichtbaren Spuren zu hinterlassen. In dieser Zeit schlug er sie mit feuchten Handtüchern, während er sie ans Bett fesselte. Später nutzte er seine starken Hände und Gegenstände, war aber darauf bedacht ihr Gesicht zu schonen. Wie hieß es: So etwas kommt in den besten Familien vor.
Sie waren keine Familie: Nur er und sie. Heimlich nahm sie die Pille, den ehemaligen Kinderwunsch hatte sie aufgegeben. Ihren Beruf auch. Ihr Lächeln ebenfalls.
Sie versinkt in einen kurzen Schlaf. Als sie aufwacht, denkt sie an ihre Hochzeit vor 5 Jahren zurück. „Eine gute Partie“ meinten ihre Eltern. Ein Banker, der mehrere Filialen leitete. „Ein sicherer Beruf, denn Geld wird immer benötigt.“ Die Hochzeit war eine Märchenhochzeit, von der ihre Mutter heute noch schwärmt. Der Bräutigam im Frack, sie in einem langen Spitzenkleid. Bis in den frühen Morgen tanzten sie. Noch heute befindet sich ein Rest der Hochzeitstorte in ihrer Tiefkühltruhe. Hätte sie damals bereits etwas ahnen können? Als sie mit ihrem alten Schulfreund Heino nach Mitternacht tanzte, den Kopf etwas müde auf seine Schulter gelegt, unterbrach er den Tanz, zog sie heftig zu sich und nahm sie in einen eisernen Griff. Seine blauen Augen glühten. Sahen schwarz aus. Schwarz vor Wut? Heute würde sie es bejahen.
Sie spürt die Hand ihrer Mutter, die ihr über den Verband auf dem Kopf streichelt. „Ach Kind, Deine schönen Haare. Nicht schlimm, sie werden nachwachsen. Warum hast Du uns denn nie etwas erzählt? Papa und ich hätten Dir doch geholfen.“
Wie hätten sie helfen können? Wer hätte ihr geglaubt? Hätte sie sich selber geglaubt, dass ihre Ehe keine Ehe war? Dass ihr Mann gewalttätig war? Der Mann, den sie immer noch liebte. In den Tagen und Stunden, in denen er nicht Hand an sie legte. Der Mann mit dem sie stundenlang am Strand sitzen konnte und seinen beruflichen Plänen zuhören konnte. Der ihr von den Kindern erzählte, die er mit ihr haben wollte, wie er diese fördern und ausbilden wollte. Der sie nach einem falschen Satz mit dem Kopf unter Wasser tauchte und erst kurz vor der Bewusstlosigkeit wieder an die Oberfläche holte. Um ihr wenige Minuten später zu sagen, wie sehr er sie liebt.
Sie hatte Angst, dass er ihren Eltern gegenüber ebenfalls gewalttätig werden könnte und schwieg.
Kurz nach Weihnachten brach er ihr mehrere Rippen und verbot ihr einen Arzt aufzusuchen. Während er auf einem Seminar war, packte sie eine kleine Reisetasche und fuhr ins Frauenhaus. Sie wollte leben, nicht nur überleben. Das Frauenhaus war überfüllt. Man gab ihr den Rat in ein Hotel zu gehen. Die finanziellen Mittel hätte sie ja.
Sie fuhr wieder nach Hause, packte die Reisetasche aus und hoffte darauf, dass die Rippen schnell heilen würden. Ihren Eltern und ihren Freunden erzählte sie, sie wäre vom Pferd gefallen und hätte sich die Rippen nur geprellt.
Die folgenden Wochen empfand sie, trotz seiner Schläge, als nicht so schlimm. Ihr Schmerzempfinden reduzierte sich. Die Angst, manchmal Todesangst, blieb. Wieder sprach er von gemeinsamen Kindern und wollte sie zu einer Fruchtbarkeitsuntersuchung zwingen, da sie nicht schwanger wurde.
Sie schlief ein. Träumte von einem Ritt mit ihrem Pferd am Strand. Ihre langen Haare wehten im Wind, während ihr der Sand ins Gesicht flog. Sie lachte und fühlte sich frei. So frei.
Sie wacht auf. Die Hand, die die ihre hält ist kräftig und rau. Ihr Vater sitzt an ihrem Bett. „Papa, mache Dir keine Sorgen um mich.“ möchte sie ihm sagen. Ganz laut sagt sie es in Gedanken, damit er vielleicht den Hauch ihrer Stimme hören kann.
„Kind, er kann Dir nicht mehr wehtun. Er ist in Haft. Bitte wache doch endlich auf.“
Während er es sagt, drückt er fest ihre Hände zusammen. Innerlich sagt sie „Autsch, Papa.“
Sie möchte noch nicht aufwachen. Möchte von Ritten am Strand oder im Wald träumen. Möchte lachen. Möchte keine Schmerzen spüren. Möchte keine Angst haben.
Möchte noch eine Zeit in ihrer sicheren Seifenblase verbringen.







